
Nach der Lehre an die Uni
Jonas Gluch begann seine Laufbahn mit einer kaufmännischen Lehre. Während der Berufsmaturität entdeckte er seine Leidenschaft für Mathematik. Heute studiert er das Fach an der Universität und unterrichtet es parallel an einer Wirtschaftsschule.
Kathrin Kiener
Sie sind mit einer kaufmännischen Lehre bei der Post ins Berufsleben gestartet. Warum haben Sie sich für diese Ausbildung entschieden?
Mein Einstieg ins Berufsleben war eher zufällig. Ursprünglich wollte ich ans Gymnasium, doch dafür reichten meine Noten nicht. In der neunten Klasse musste ich mich anders orientieren. Durch mein Umfeld wurde ich auf die kaufmännische Lehre aufmerksam. Nach einer Schnupperlehre entschied ich mich für die Ausbildung bei der Post – auch weil ich wusste, wie vielfältig eine Lehre dort ist.
Was hat Sie dazu motiviert, nach der Berufsmaturität via Passerelle den Schritt an die Universität zu machen?
Gegen Ende der Lehre entdeckte ich meine Freude an der Mathematik neu. Zudem merkte ich während der Berufsmaturität, dass ich mathematische Inhalte gut verstand und sie auch meinen Mitschülerinnen und Mitschülern verständlich erklären konnte. Da war für mich klar: Das möchte ich beruflich machen. Die Passerelle eröffnete mir den Zugang zur Universität und zum Mathematikstudium.
Welche Erfahrungen aus Ihrer Berufslehre begleiten Sie noch heute und sind für Ihr Studium und Arbeitsleben nützlich?
Kurz gesagt geht es um Verantwortungsbewusstsein und Kompetenz. In meiner KV-Lehre wurde mir schon früh viel Verantwortung übertragen. Dieses Verantwortungsgefühl hilft mir heute, im Unterricht mein Bestes zu geben. Kompetenz bedeutet für mich, Aufgaben schnell zu erfassen, aus Fehlern zu lernen und Dinge kritisch zu hinterfragen – Fähigkeiten, die ich während der Lehre entwickelt habe und die mir heute als Lehrperson zugutekommen.
Sie studieren Mathematik – was fasziniert Sie an diesem Fach besonders?
Mathematik fasziniert mich durch ihre klare Struktur und die universelle Sprache – gerade Zahlen werden weltweit angewendet. Zudem begegnet uns Mathematik auch im Alltag immer wieder. Im Studium geht es nicht nur darum, wie etwas berechnet wird, sondern auch warum. Das finde ich besonders spannend. Ausserdem ist Mathematik weitreichend: Ohne sie wäre etwa Astrophysik gar nicht möglich.
Neben dem Studium unterrichten Sie an einer Wirtschaftsschule. Wie beeinflusst diese Tätigkeit Ihre Sicht auf die Mathematik und den Unterricht?
Das Unterrichten neben dem Studium ermöglicht es mir, die Perspektive zu wechseln. Als Studierender weiss ich, wie wichtig es ist, Inhalte nicht zu schnell oder zu abstrakt zu vermitteln. So kann ich mich besser in die Schülerinnen und Schüler hineinversetzen. Mein Ziel ist, ihnen viel zuzutrauen, im Dialog zu bleiben und auf Augenhöhe zu unterrichten. Für mich ist es ein ständiges Geben und Nehmen.
Wie vermitteln Sie Ihren Schülerinnen und Schülern Mathematik interessant und verständlich?
Wenn ich eine Klasse neu übernehme, fällt mir oft auf, dass viele Schülerinnen und Schüler Angst vor Mathematik haben. Genau hier setzt mein Unterricht an: Für mich gibt es keine dummen Fragen. Ich versuche, das Fach möglichst einfach zu vermitteln. Geduld ist dabei wichtig. Mathematik ist für mich eine Sprache, die alle lernen können. Einige Schülerinnen und Schüler lernen über Bilder oder Beispiele, andere eher theoretisch.
Ihr Bildungsweg verlief nicht ganz klassisch. Welche Botschaft geben Sie jungen Menschen mit, die eine ähnliche Laufbahn einschlagen möchten?
Unser Bildungssystem ist durchlässig: Schliesst sich eine Tür, öffnet sich meist eine andere. Mein Rat ist, sich nicht in eine Box pressen zu lassen oder nur einen einzigen Weg zu sehen. Wichtiger ist, auszuprobieren, was einem liegt. Manche wissen schon mit 15, andere erst mit 25 oder später, was sie wirklich wollen. Unser System erlaubt individuelle Wege – ein Privileg, für das ich dankbar bin.
Infobox
Die eidgenössische Berufsmaturität (BM) umfasst eine drei- oder vierjährige berufliche Grundbildung und eine erweiterte Allgemeinbildung. Die BM kann während oder nach der Lehre absolviert werden. Das Berufsmaturitätszeugnis berechtigt zur Zulassung an die Fachhochschulen.
Die Passerelle ist ein einjähriger Brückenkurs, der Berufsmaturandinnen und -maturanden den Zugang zu universitären Studiengängen eröffnet. Sie vertieft fachliche Grundlagen und bereitet auf das Studium vor.
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