Mattia Bornstein ist Schüler am Gymnasium Kirchenfeld in Bern. Seine Maturität absolviert er zweisprachig in der Partnersprache Italienisch. Im Gespräch zeigt er auf, was das für seinen Schulalltag konkret bedeutet.
Peter Brand

Herr Bornstein, Sie absolvieren eine zweisprachige Maturität Deutsch-Italienisch. Welche Gründe waren dafür ausschlaggebend?
Ich finde die zweisprachige Maturität eine gute Sache. Sie wird in den Sprachen Deutsch-Französisch, Deutsch-Englisch und Deutsch-Italienisch angeboten. Ich kam in meiner Familie früh mit der italienischen Sprache und der italienischen Kultur in Kontakt, denn meine Grosseltern kommen aus Italien. Mit den Eltern spreche ich zwar Mundart, mit der Grossmutter hingegen verständige ich mich immer in Italienisch. Daher lag die Wahl der Partnersprache auf der Hand.
Sie sind bereits im letzten Ausbildungsjahr. Wie gestaltete sich der Unterricht in den ersten beiden Jahren?
Das war normaler Unterricht im Rahmen des Schwerpunktfachs Italienisch. Wir eigneten uns die Grundlagen der Sprache an und verbesserten Schritt für Schritt unsere mündlichen und schriftlichen Kenntnisse. Spezielle Vorkenntnisse waren zwar nicht nötig, aber da alle in unserer siebenköpfigen Schwerpunktklasse einen familiären Bezug zum Italienischen haben, mussten wir nicht bei null beginnen.
Im dritten Jahr ging es punkto Italienisch dann so richtig los. Sie besuchten den Unterricht an einem Tessiner Gymnasium. Wie ging das vor sich?
Ich absolvierte ein ganzes Schuljahr am Liceo Lugano 3 und lebte in einer Gastfamilie in der nahen Agglomeration. In der Schule ging die Post ab, denn der gesamte Unterricht fand in Italienisch statt. Zudem kamen viele neue Eindrücke auf mich zu. Die ersten Wochen war ziemlich anstrengend. Ich lebte mich dann aber rasch ein, gewöhnte mich an den neuen Rhythmus und an die neue Klasse. Ich konnte Kontakte aufbauen, war mit Kollegen unterwegs und trainierte zusätzlich in einem Wasserballclub.
Wie hat sich Ihr Italienisch in dieser Zeit verbessert?
Man lernt in einem solchen Jahr in allen Bereichen viel dazu. Ich konnte mich vor allem beim Lesen und Schreiben stark verbessern. Ich wurde rasch mit wissenschaftlichen Texten aus Fächern wie Physik oder Chemie konfrontiert. Daran musste ich mich gewöhnen. Zu Beginn arbeitete ich oft mit Übersetzungsprogrammen oder künstlicher Intelligenz. Mit der Zeit brauchte ich das immer weniger und las sogar italienische Zeitungen.
Nun sind Sie wieder in Ihrer ursprünglichen Klasse in Bern. War der Weg zurück schwierig?
Nein. Ich hatte es immer gut mit meiner Klasse und war daher froh, wieder zu meinen früheren Kolleginnen und Kollegen zurückkehren zu können. Ich lebte mich problemlos wieder ein. Zwar gab es im einen oder anderen Fach Stofflücken, die ich individuell aufarbeiten musste. Aber das hielt sich im Rahmen.
Im letzten Ausbildungsjahr besuchen Sie das Kunstfach in italienischer Sprache. Was bedeutet das konkret?
Ich belege das Kunstfach Musik. Jeden zweiten Samstagvormittag unterrichtet uns eine Lehrperson aus dem Tessin in diesem Fach. Der Unterricht findet für alle Schülerinnen und Schüler aus dem Kanton zentral am Gymnasium Kirchenfeld statt. Wir behandeln Musiktheorie, Musikgeschichte, singen viel und beschäftigen uns mit Opernmusik und den Cantautori. Alles mit Bezug zu Italien und seiner reichen Kultur.
Im Sommer werden Sie Ihre zweisprachige Maturität abschliessen. Wie geht es danach weiter?
Nach dem Militärdienst möchte ich Medizin studieren. Im Rahmen des Studiums ist es möglich, in den letzten Semestern praktische Erfahrung im Tessin zu sammeln und dort zu studieren. Das wäre für mich eine gute Sache. Ich kann die zweisprachige Maturität nur weiterempfehlen. Sie bringt mir einen grossen persönlichen Mehrwert.
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Partnersprache Italienisch
Schülerinnen und Schüler mit Italienisch als Grundlagen- oder Schwerpunktfach können die zweisprachige Maturität mit Partnersprache Italienisch erwerben. Sie besuchen im dritten Jahr den Unterricht an einem Tessiner Gymnasium. Danach kehren sie in ihre ursprüngliche Klasse zurück, besuchen im letzten Ausbildungsjahr das Kunstfach in italienischer Sprache und erwerben die gymnasiale Maturität. Das Angebot steht an allen Gymnasien zur Verfügung, die Italienisch als Grundlagen- oder Schwerpunktfach führen. Es wird seit dem Schuljahr 2019/20 angeboten. Mittlerweile haben über 100 Schülerinnen und Schüler von diesem Angebot profitiert.
Mehr: www.be.ch/gym-zweisprachigematuritaet
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