Luna Schaller hat Grosses vor. Die Gipserin-Trockenbauerin will an den WorldSkills 2026 in Shanghai aufs Podest – und wird dafür alles geben. Schweizermeisterin ist sie bereits.
Rolf Marti

Gold bei den SwissSkills 2025: Wie hat sich dieser Moment angefühlt? Welche Reaktionen hat er in Ihrem Umfeld ausgelöst?
Als endlich feststand, dass ich Gold gewonnen hatte, stand ich kurz vor den Tränen. Bereits eine Stunde vor der eigentlichen Rangverkündigung war bekannt, wer auf dem Podest stehen würde – nur nicht, auf welchem Platz. Eine quälend lange Stunde … Die Reaktionen aus meinem Umfeld waren berührend. Am stolzesten waren meine Mutter, mein Grossvater und mein Berufsbildner aus dem Lehrbetrieb.
Jetzt treten Sie in Shanghai bei den WorldSkills an. Was treibt Sie an? Worin besteht der Kick, sich mit anderen Berufsleuten zu messen?
An Berufsmeisterschaften kann ich zeigen, was Frauen in Handwerksberufen leisten. Während der Lehre war ich in meinem Jahrgang schweizweit die einzige Frau im Beruf «Gipser/in-Trockenbauer/in EFZ». An den SwissSkills 2025 trat ich gegen lauter Männer an. Schön, dass in Shanghai auch eine Frau aus Deutschland starten wird. Zudem bieten Berufsmeisterschaften die Gelegenheit, mich bei allen zu bedanken, die mich beruflich gefördert haben.
Welche Aufgaben erwarten Sie an den WorldSkills?
Der Wettbewerb besteht aus vier Modulen. Im Modul «Trockenbau» bauen wir aus Stahlprofilen und Gipsplatten einen Raum. Den Plan dürfen wir am Vortag drei Stunden studieren. Dann erhalten wir ihn erst am Wettkampftag wieder. Im Modul «Spachteln» bringen wir im bereits erstellten Raum den Kantenschutz an. Anschliessend spachteln wir den Raum aus. Im Modul «Speed» versetzen wir Stuckstäbe möglichst schnell und sauber. Im Modul «Freestyle» kreieren wir nach freiem Ermessen ein Kunstwerk aus Gips. Wir werden insgesamt vier Tage im Einsatz sein.
Wie bereiten Sie sich vor – fachlich und mental?
Nach der Lehre habe ich die Berufsmaturitätsschule begonnen, aber wegen der WorldSkills eine Pause eingelegt und eine Stelle bei der Groupe Egli in Biel angenommen. Dort arbeitet mein Coach. Das Unternehmen stellt mir einen Trainingsraum, die benötigten Materialien sowie Arbeitszeit für Trainings zur Verfügung – ein Privileg. Ich werde rund 30 Tage in die Vorbereitung investieren. Dazu gehört, dass ich Aufgaben früherer Weltmeisterschaften löse. Hinzu kommen die von SwissSkills organisierten Wochenenden des Nationalteams, um den Teamzusammenhalt zu stärken, die Zusammenarbeit mit dem Coach zu intensivieren, die Wettkampfmentalität zu stärken oder den Umgang mit Medien zu üben. Was die mentale Vorbereitung betrifft: SwissSkills stellt uns einen Mentaltrainer zur Seite. Ich habe mich schon mehrmals mit ihm getroffen. Es ist wichtig, das eigene Verhalten mit einem Profi zu reflektieren. Zusätzlich schaffe ich mir gezielt Zeitfenster, in denen ich nicht an Shanghai denke.
Mit welchen Ambitionen treten Sie in Shanghai an?
Ich möchte aufs Podest und werde alles dafür geben. Sollte ich mein Ziel verfehlen, werde ich trotzdem als Siegerin vom Platz gehen. Der Wettkampf ist nur der Schlussspurt am Ende eines langen Weges, auf dem ich viel über mich gelernt habe: wer ich bin, wie ich mit Stress umgehe, wo meine Grenzen liegen. Das ist der wahre Wert von Berufsmeisterschaften.
Bald geht’s los. Was macht Sie nervös, worauf freuen Sie sich am meisten?
Nervös macht mich die Ungewissheit, was mich genau erwartet. Es gibt Aufgaben, bei denen ich mich noch nicht zu hundert Prozent sicher fühle. Worauf ich mich freue? Das Erlebnis sowie die Dimensionen des Anlasses in Shanghai. Sie sind in keiner Weise mit jenen an den SwissSkills zu vergleichen. Auch auf den Austausch mit Menschen aus anderen Weltregionen freue ich mich.
Wie geht es nach Shanghai beruflich weiter?
Im Januar steige ich ins zweite Semester der Berufsmaturitätsschule ein. Danach möchte ich Kunst studieren. Ich male, zeichne, mache Skulpturen – und bin ein neugieriger und offener Mensch.
Infobox
WorldSkills
An den WorldSkills 2026 (22. bis 26. September 2026) in Shanghai kämpfen 1400 junge Berufsleute aus 60 Ländern um Medaillen. Die Schweiz tritt in 38 Wettbewerben und mit 42 Wettkämpfer/-innen an. Sie gehört traditionell zu den erfolgreichsten Nationen. In Lyon 2024 gewann sie sieben Gold- und sieben Silbermedaillen sowie eine Bronzemedaille. Sie belegte in der Nationenwertung den dritten Rang und war das bestplatzierte europäische Land. nationalteam.swiss-skills.ch
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