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IBBM – Inklusive Berufsbildungsmesse – «Wir wollen Brücken in den Arbeitsmarkt bauen»

Die IBBM – Inklusive Berufsbildungsmesse in Burgdorf, eröffnet Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen berufliche Perspektiven. Was Besucherinnen und Besucher vom 8. bis 10. September erwartet, erklärt Lukas Moser, Bereichsleiter «Angebote, Beratung, Vermittlung» im SAZ Burgdorf und Initiant der Messe.

Rolf Marti

Organisieren in Burgdorf zum zweiten Mal die Inklusive Berufsmesse: Tindara Fernandez und Lukas Moser vom SAZ Burgdorf.

Weshalb braucht es eine eigene Berufsmesse für Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen?
Das ist eine Frage der Chancengerechtigkeit. Während Berufsmessen für den ersten Arbeitsmarkt etabliert sind, gab es für Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen bisher kein Pendant – zumindest nicht im Kanton Bern. Mit der IBBM zeigen wir diesen Jugendlichen, welche beruflichen Perspektiven ihnen trotz Beeinträchtigung offenstehen.

Konkret: Welche Zielgruppen sprechen Sie mit der IBBM an?
Wir richten uns an Jugendliche, die in einem sonderpädagogischen Setting sind – beispielsweise in einer heilpädagogischen Schule. Das sind Menschen mit Neurodivergenz wie ADHS, Autismus oder Lese-Rechtschreibstörung, mit kognitiven oder körperlichen Beeinträchtigungen oder psychischen Belastungen.

Ist die IBBM eine Berufswahlmesse, eine Lehrstellenbörse oder beides?
Beides. Einerseits verschafft sie Jugendlichen einen Überblick, welche Berufe ihnen offenstehen und wer entsprechende Lehrstellen anbietet. Andererseits ermöglicht sie den anwesenden Lehrbetrieben, sich zu präsentieren und geeignete Lernende zu finden.

Welche Ausbildungsanbieter nehmen an der Messe teil? Welche Berufe werden gezeigt?
Dieses Jahr nehmen 19 Institutionen teil. Sie bieten primär Ausbildungen im zweiten Arbeitsmarkt an – also in einem geschützten Rahmen. Vor Ort sind auch die IV und die Pro Infirmis. Sie beraten und begleiten Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen und deren Eltern. Die IV leistet bei Bedarf auch Ausbildungsbeiträge für erforderliche Massnahmen. Was das Berufsspektrum betrifft: Wir präsentieren Ausbildungen aus allen Berufsfeldern – KV, Informatik, Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe usw. – und decken alle Leistungsniveaus ab – von der Praktischen Ausbildung (PrA) über das eidgenössische Berufsattest (EBA) bis zum eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ).

Schulklassen, welche die Messe besuchen, müssen sich voranmelden. Erhalten Sie ein Spezialprogramm?
Nein. Die Voranmeldung dient der Steuerung des Besucherstroms. Wir wollen unserer Zielgruppe ein optimales Umfeld bieten. Das bedeutet: genügend Platz für Rollstühle und keine unnötigen akustischen und visuellen Reize. Für Jugendliche mit geringer Reiztoleranz bieten wir am Mittwochnachmittag sogar einen «Silent Slot» an. Einzelpersonen müssen sich nicht anmelden. Der Eintritt ist für alle frei.

Die IBBM findet nach 2025 zum zweiten Mal statt. Sie haben eine grössere Halle gewählt und die Dauer von zwei auf drei Tage erweitert. Wurden Sie vom Erfolg überrascht?
Ja. Wir hatten über 700 Eintritte und im Nachgang viele Anfragen von Institutionen, die gerne dabei gewesen wären. Das gab uns den Anstoss, die Messe grösser zu denken und die Infrastruktur darauf auszurichten. Hinzu kommt, dass wir letztes Jahr eine sogenannte Tischmesse hatten. Dieses Jahr sind die Institutionen mit Messeständen präsent.

Die IBBM findet Anklang. Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Unsere Vision: Wir wollen Brücken in den Arbeitsmarkt bauen und möglichst viele Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen in den ersten Arbeitsmarkt integrieren. Deshalb hoffen wir, dass künftig auch Lehrbetriebe aus diesem Bereich an der IBBM teilnehmen. Eine weitere Vision ist, dass andere Regionen unsere Idee aufnehmen. Mit der IBBM leisten wir Pionierarbeit, welche skalierbar ist. Wir sind gerne bereit, unser Know-how zu teilen.

Was braucht es, um diesen Visionen näherzukommen?
In erster Linie mehr Ressourcen – finanzieller und personeller Art. Das SAZ Burgdorf hat die IBBM in Eigenregie aufgebaut, parallel zum ordentlichen Betrieb. Das kann auf Dauer nicht so bleiben. Deshalb freuen wir uns über zusätzliche Sponsoren.

Würde gelebte Inklusion nicht bedeuten, die IBBM in die Berner Ausbildungsmesse BAM zu integrieren?
Jein. Klar wäre es schön, wenn sich alle Jugendlichen an derselben Messe über ihre beruflichen Möglichkeiten informieren könnten. Einige Institutionen aus dem zweiten Arbeitsmarkt sind deshalb an der BAM präsent. Aber wie gesagt: Ein reizarmes Umfeld ist für viele Jugendliche aus unserer Zielgruppe essenziell. Das ist an der BAM nicht gegeben.

IBBM

Weitere Informationen zur IBBM (Aussteller, Öffnungszeiten, Anmeldetalon für Schulen usw.) unter

messe.inklusive-berufsbildung.ch

SAZ Burgdorf

Die IBBM Inklusive Berufsbildungsmesse wird vom SAZ Burgdorf (Schulungs- und Arbeitszentrum für Behinderte Burgdorf) organisiert. Es schafft für Menschen mit anerkanntem Unterstützungsbedarf optimale Bedingungen für ein selbstbestimmtes und inklusives Leben in Beruf und Gesellschaft. Das Angebot umfasst die Dimensionen lernen, arbeiten, wohnen.

www.sazburgdorf.ch

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