Elisabeth Stalder-Riesen ist Programmleiterin Pflegeinitiative beim Kanton Bern. Sie erklärt, welche Ziele der Kanton mit der Ausbildungsoffensive der Etappe 1 verfolgt, warum er dabei auf einen partizipativen Ansatz setzt und wie die eingereichten Projekte die Pflegeausbildung auf Tertiärstufe stärken.
Kathrin Kiener

Welche Ziele verfolgt die Ausbildungsoffensive und was beinhaltet sie?
Die Ausbildungsoffensive hat zum Ziel, die Qualität der Pflegeausbildung auf Stufe Höhere Fachschule und Fachhochschule zu stärken. Gleichzeitig wollen wir mehr Menschen für ein Pflegestudium gewinnen. Damit dies gelingt, können Ausbildungsbetriebe, Bildungsanbieter, Berufsverbände und Fachpersonen Projekte zur Stärkung der Pflegeausbildung einreichen.
Die Umsetzung erfolgt partizipativ gemeinsam mit den Akteuren im Gesundheitswesen. Warum?
Die Ausbildungsoffensive gelingt nur, wenn alle Akteure gemeinsam daran arbeiten. Deshalb setzt der Kanton Bern bewusst auf einen partizipativen Ansatz – so stellen wir sicher, dass die Massnahmen praxisnah und koordiniert umgesetzt werden.
Wie viele Projekte wurden bisher bewilligt und welche Themen beinhalten sie?
Bisher wurden 16 Projekte bewilligt, 14 weitere werden derzeit geprüft. Im Zentrum stehen Massnahmen zur Unterstützung der Ausbildungsbetriebe und Berufsbildenden bei der Begleitung von Studierenden. Dazu gehört beispielsweise ein Vorbereitungs- und Begleitprogramm für Pflegestudierende mit Deutsch als Zweitsprache. Zudem werden verschiedene Projekte gefördert, die Studierende individuell begleiten und unterstützen.
Können Sie ein Beispiel für ein bewilligtes Projekt nennen?
Bereits gestartet ist ein Projekt zur Weiterbildung von Berufsbildenden in der Pflege HF/FH. Es wird von der OdA Gesundheit Bern gemeinsam mit Partnern im Auftrag des Kantons umgesetzt. Berufsbildende erhalten finanzielle Beiträge für pädagogisch-didaktische Weiterbildungen, um ihre Ausbildungs- und Betreuungskompetenzen zu stärken – ein wichtiger Hebel, um die Qualität der praktischen Ausbildung weiter zu verbessern.
Nach welchen Kriterien werden die Projekte von Kanton und Bund beurteilt?
Hier gelten die Vorgaben des Bundes. Entscheidend ist, ob die Projekte die Zahl der Pflegeabschlüsse erhöhen, die Ausbildung nachweislich stärken und eine nachhaltige Wirkung erzielen. Gefördert werden insbesondere Projekte, die praxisnah und gut vernetzt sind. Der Kanton stellt dabei eine faire und transparente Beurteilung nach einheitlichen Kriterien sicher.
Das Programm läuft bis 2032. Wie kann man mitmachen?
Interessierte Fachpersonen, Institutionen und Berufsverbände können ihre Ideen zur Verbesserung der praktischen oder schulischen Pflegeausbildung auf Stufe HF/FH bei den offiziellen Projektträgern einbringen. Gemeinsam werden die Vorschläge bis zur Projektreife weiterentwickelt. Geeignete Projekte werden von Kanton und Bund geprüft und finanziell unterstützt. Weitere Projektideen sind ausdrücklich willkommen.
Welche Wirkung erhoffen Sie sich von der Ausbildungsoffensive?
Langfristig erhoffe ich mir, dass wir mehr gut ausgebildete Pflegefachpersonen gewinnen und damit die Gesundheitsversorgung nachhaltig stärken können. Dank der Unterstützung von Bund und Kanton können innovative Ansätze in der Pflegeausbildung erprobt und multipliziert werden. Das Engagement der Ausbildungsbetriebe und Bildungsinstitutionen ist bereits heute gross – darauf lässt sich auch künftig aufbauen.
Infobox
Die Pflegeinitiative wurde im November 2021 von Volk und Ständen angenommen. Der Bund setzt den neuen Verfassungsartikel in zwei Etappen um: Etappe 1 umfasst die Ausbildungsoffensive, Etappe 2 die Förderung der beruflichen Entwicklung. Die Umsetzung dauert bis 2032. Der Kanton Bern verfügt bereits seit 2012 über eine Ausbildungsverpflichtung für nichtuniversitäre Gesundheitsberufe. Deshalb fokussiert er bei der Umsetzung der Ausbildungsoffensive auf die Förderung der Pflegeausbildung auf Stufe Höhere Fachschule (HF) und Fachhochschule (FH).
www.gsi.be.ch
Der «Einsteiger» ist eine Dienstleistung der Espace Media Groupe (Publikationsplattform) und des Mittelschul- und Berufsbildungsamts des Kantons Bern (redaktionelle Verantwortung). Er ist eine Informationsplattform zur Berufs- und Mittelschulbildung.
Jeden Samstag erscheint im Stellen-Markt der Tageszeitungen Berner Zeitung BZ, Der Bund, Berner Oberländer, Thuner Tagblatt, Bieler Tagblatt und Langenthaler Tagblatt ein Artikel zu einem aktuellen Thema.
Unterstützt wird der «Einsteiger» durch folgende Partner:
Hinweis
Lob, Kritik, Anregungen
Bitte nutzen Sie die Möglichkeit per E-Mail uns Lob, Kritik oder Anregungen zum Einsteiger zu schicken.