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Studieren vor der Matura – «Ich konnte mir viel neues Wissen aneignen»

Aryaan Neuhaus besucht neben dem Gymnasium Vorlesungen an der Universität Bern. Im Rahmen des «Schüler*innenstudiums» setzt er sich bereits während der Schulzeit mit wissenschaftlichen Themen auseinander, die ihn besonders interessieren. Im Interview erzählt er von seinen Erfahrungen, der Vereinbarkeit von Schule und Studium und seinen Zukunftsplänen.

Kathrin Kiener

«Das Schüler*innenstudium lässt sich gut mit dem Gymnasium vereinbaren», sagt Aryaan Neuhaus.

Was hat Sie motiviert, als Gymnasiast Vorlesungen an der Universität Bern zu besuchen?
Ich hatte das Glück, dass mich meine Klassenlehrerin bereits im ersten Jahr am Gymnasium Neufeld über das «Schüler*innenstudium» informierte. Mir war schnell klar, dass ich diese Chance nutzen wollte. Es motiviert mich, dass ich mich an der Uni mit wissenschaftlichen Themen beschäftigen kann, die in der Schule weniger vertieft oder gar nicht behandelt werden.

Was erleben Sie an der Universität anders als am Gymnasium?
An der Uni ist alles viel grösser. Die Vorlesungen finden in Hörsälen mit sehr vielen Studierenden statt. Zudem ist das Tempo höher und die Stoffmenge deutlich umfangreicher. Themen, die wir in der Schule über mehrere Wochen behandeln, werden an der Uni in wenigen Lektionen vermittelt und stärker vertieft. Es ist deshalb manchmal anspruchsvoll, mit den Studierenden mitzuhalten und gleichzeitig dieselben Prüfungen abzulegen.

Sie haben unter anderem Vorlesungen in Sportanatomie, Gesundheitspsychologie und Verhaltensmedizin belegt – warum diese Fächer?
Mein Plan ist, nach dem Gymnasium Medizin zu studieren. Da ich als Gymnasiast noch keine Humanmedizin-Vorlesungen besuchen kann, habe ich Fächer gewählt, die zu meinen Interessen passen. Ich treibe gerne Sport, spiele Tennis und mache Geräteturnen. Deshalb haben mich Sportanatomie und Sportphysiologie besonders interessiert. In der Gesundheitspsychologie haben wir uns etwa mit psychologischen Aspekten von Ernährung und Substanzkonsum beschäftigt. Das war spannend.

Was haben Sie aus den Vorlesungen bisher für sich mitgenommen?
Ich konnte mir viel neues Wissen aneignen und habe vor allem meine Lernmethode angepasst. Bei der grossen Stoffmenge bleibt wenig Zeit, ausführliche Zusammenfassungen zu schreiben und später nachzulesen. Ich muss rasch das Wesentliche erkennen und die grossen Zusammenhänge verstehen. Wenn mir etwas unklar ist, gehe ich meinen Fragen selbstständig nochmals nach. Das hat mich hartnäckiger gemacht. Diese Art zu lernen hilft mir auch in der Schule.

Wie organisieren Sie Gymnasium, Studium und Freizeit?
Für mich funktioniert das gut, weil mich auch die Schule sehr unterstützt. Wenn sich eine Vorlesung mit dem Unterricht überschneidet, kann ich mich dispensieren lassen und den Stoff nachholen. Zudem stehen die Vorlesungen als Podcasts zur Verfügung. Diese nutze ich, wenn ich einmal nicht vor Ort sein kann. Das «Schüler*innenstudium» lässt sich deshalb gut mit dem Gymnasium vereinbaren – und auch für meine Hobbys bleibt genügend Zeit.

Welchen Einfluss hat das «Schüler*innenstudium» auf Ihre spätere Studienwahl?
Gerade die Vorlesungen in Sportanatomie und Sportphysiologie haben mich in meinem Wunsch bestärkt, später Medizin zu studieren. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass mir ein Psychologiestudium wohl zu theorielastig wäre.

Welche Vorlesungen möchten Sie im kommenden Semester besuchen – und was fasziniert Sie daran?
Ich möchte vor allem Vorlesungen in Rechtswissenschaften oder Volkswirtschaftslehre belegen. Da ich Wirtschaft und Recht als Ergänzungsfach habe, kenne ich diese Themen bereits aus dem Gymnasium. Nun möchte ich sie auf universitärer Ebene vertiefen und gleichzeitig einen Einblick in andere Studienrichtungen erhalten. An den Fächern Wirtschaft und Recht finde ich den Bezug zum Alltag spannend – etwa beim internationalen Recht und Strafrecht oder bei wirtschaftlichen Fragen.

Infobox

Das «Schüler*innenstudium» der Universität Bern richtet sich an begabte und wissenschaftlich interessierte Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, in der Regel ab dem dritten Gymnasialjahr. Sie können parallel zur Schule Lehrveranstaltungen aus fast allen Fächern im normalen Lehrbetrieb der Universität besuchen und auch Prüfungen mitschreiben. Das Angebot ist kostenlos. Die Anmeldung erfolgt über die Schule.

www.be.ch/gymnasien
www.unibe.ch/lifelong_learning

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