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Schweizer Jugend forscht - «Die Teilnahme bei Schweizer Jugend forscht erweitert den Horizont»

Simon Stuber hat mit seiner Maturaarbeit am Gymnasium Kirchenfeld viel erreicht: Beim Finale von Schweizer Jugend forscht wurde er mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. In seiner Arbeit untersuchte er das Potenzial von Lehmbeton als nachhaltige Alternative im Bauwesen – und überzeugte damit die Jury.

Kathrin Kiener

«Man sollte ein Thema wählen, das einen wirklich interessiert», sagt Simon Stuber.

Sie wurden mit Ihrer Maturaarbeit im Finale von Schweizer Jugend forscht mit einer Goldmedaille ausgezeichnet – was bedeutet dieser Erfolg für Sie?
Die Auszeichnung freut mich sehr. Es ist schön zu sehen, dass der grosse Aufwand hinter meiner Maturaarbeit anerkannt wird. Die Preisverleihung war ein besonderer Moment: Zuerst werden Bronze und Silber vergeben – und dann stand ich plötzlich bei den Goldgewinnern. Das hat mich überrascht und berührt.

Warum haben Sie Lehmbeton als Thema Ihrer Maturaarbeit gewählt?
Nachhaltige Baustoffe interessieren mich. Mein Chemielehrer hat mich deshalb auf das Lehmbeton-Projekt der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) aufmerksam gemacht. Ich habe angefragt, ob ich mitarbeiten kann und erhielt tatsächlich eine Zusage. Ich durfte mehrere Tage vor Ort Proben herstellen und Tests durchführen, die ich anschliessend ausgewertet habe. Die Betreuung war offen und professionell – ich habe dabei viel gelernt.

Was ist die wichtigste Erkenntnis aus Ihrer Forschungsarbeit?
Lehmbeton stellt für bestimmte Gebäudegrössen eine nachhaltige Alternative dar. Im Vergleich zu herkömmlichem Beton verursacht er nur rund 15 Prozent der CO₂-Emissionen. Besonders spannend ist zudem, dass er auf Aushubmaterial von Baustellen basiert – also auf einem Rohstoff, der heute meist auf Deponien landet. In der Schweiz fallen davon jährlich etwa 19 Millionen Kubikmeter an. Würde man dieses Material direkt vor Ort für Lehmbeton nutzen, liessen sich viele Ressourcen schonen.

Wo könnte Lehmbeton künftig alternativ eingesetzt werden?
Meine Resultate zeigen, dass Lehmbeton vor allem für Gebäude mit bis zu vier Stockwerken geeignet ist, etwa für Ein- und Zweifamilienhäuser. Bei grösseren Bauhöhen gibt es noch Herausforderungen bei der Festigkeit. Daran wird nun gearbeitet, um das Material weiter zu verbessern und marktfähig zu machen. Besonders geeignet ist Lehmbeton zudem für Innenwände, da er das Raumklima positiv beeinflussen kann.

Was war die grösste Herausforderung Ihrer Maturaarbeit?
Zunächst war unklar, ob die EMPA überhaupt einen Maturanden in ihre Forschung einbinden kann. Da uns am Gymnasium die technischen Möglichkeiten für die nötigen Analysen fehlen, war ich auf externe Unterstützung angewiesen. Umso grösser war die Erleichterung, als die Zusage kam und ich direkt an den Versuchen mitarbeiten konnte. Ohne diese Zusammenarbeit hätte ich mein Thema wohl sehr kurzfristig ändern müssen (lacht).

War forschen schon immer Ihr Ding?
Ich habe mich schon früh für Nachhaltigkeit und naturwissenschaftliche Themen interessiert. Während des Gymnasiums absolvierte ich ein Praktikum in einem Pharma-Start-up und kam dort erstmals intensiver mit Forschung in Kontakt. Besonders fasziniert mich, theoretisches Wissen praktisch anzuwenden und daraus konkrete Ergebnisse zu entwickeln. Zudem motiviert es mich, an Lösungen zu arbeiten, die gesellschaftlich relevant sind.

Welchen Tipp geben Sie Jugendlichen, die eine Maturaarbeit verfassen oder bei Schweizer Jugend forscht mitmachen möchten?
Man sollte ein Thema wählen, das einen wirklich interessiert – schliesslich arbeitet man ein Jahr lang daran. Es lohnt sich zudem, früh nach möglichen Partnern zu suchen. Institutionen wie die ETH oder das Paul Scherrer Institut bieten dafür spannende Möglichkeiten. Und: Eine Teilnahme bei Schweizer Jugend forscht kann ich nur empfehlen: Man trifft auf interessante Menschen, entdeckt inspirierende Projekte und erweitert den eigenen Horizont.

Infobox

Am Finale des Nationalen Wettbewerbs von Schweizer Jugend forscht präsentieren Jugendliche aus Mittel- und Berufsschulen ihre Forschungsarbeiten vor einer Fachjury und der Öffentlichkeit. Zugelassen sind Projekte aus allen Fachbereichen – von Naturwissenschaften bis Kunst und Sprache. Alle Finalistinnen und Finalisten erhalten ein Prädikat und einen Geldpreis. Die besten Arbeiten werden zudem mit Sonderpreisen ausgezeichnet. Im Juni 2026 startet das Anmeldeverfahren für den Nationalen Wettbewerb 2027.
www.sjf.ch

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