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Qualifikationsverfahren - «Ich hoffe einfach, dass mein Nervenkostüm hält …»

Carrosserielackierer Denis Kaya und Carrosseriespengler Kevin Matera stehen kurz vor Lehrabschluss. Noch steht das Qualifikationsverfahren (QV) an. Wie bereiten sie sich vor? Und: Wie gross ist der Stressfaktor?

Rolf Marti

Der Countdown läuft: Kevin Matera (links) und Denis Kaya bereiten sich auf das Qualifikationsverfahren vor..

Im Sommer endet Ihre Lehrzeit bei der Carrosserie Bringold AG in Ittigen. Welches Gefühl überwiegt: Die Vorfreude oder der Abschlussstress?
Kaya: Die Vorfreude. Hinter mir liegen vier spannende, aber anstrengende Jahre. Jetzt freue ich mich auf mehr Freizeit und den ersten grossen Lohn … (schmunzelt). Das QV stresst schon – auch wenn ich dank Erfahrungsnoten auf der sicheren Seite sein sollte.
Matera: Ich freue mich auch auf das Ende der Lehrzeit. Bei mir hat sie länger gedauert als geplant. Ich bin in einem anderen Beruf gestartet und habe ein Jahr der jetzigen Lehre wiederholt. Was die QV-Vorbereitung betrifft: Die ist schon anstrengend.

Wie sieht das QV aus?
Kaya: Die Prüfungsstruktur ist in beiden Berufen weitgehend identisch. Die praktische Prüfung im überbetrieblichen Kurszentrum dauert zweieinhalb Tage. Die zu lösenden Aufgaben sind weitgehend bekannt, wir können uns also gezielt vorbereiten. Hinzu kommen die halbtägige Berufskundeprüfung, ein Fachgespräch mit den Expertinnen und Experten, die schriftliche Vertiefungsarbeit sowie die Prüfung in Allgemeinbildung.

Welche Teile der Prüfungen bereiten noch Kopfzerbrechen?
Matera: Die praktische Prüfung. Erstens werden auch Tätigkeiten geprüft, die ich im Berufsalltag eher selten ausübe. Zweitens arbeiten wir Carrosseriespenglerinnen und -spengler im Millimeterbereich – was eine ruhige Hand erfordert. Und drittens muss man alles unter Zeitdruck erledigen. Ich hoffe einfach, dass mein Nervenkostüm hält … (lacht).
Kaya: Bei der praktischen Arbeit fühle ich mich sicher. Entscheidend wird sein, dass ich im Stress alle Sicherheitsvorschriften beachte. Bedenken habe ich eher bei der Berufskunde und der Allgemeinbildung. Da muss ich noch nacharbeiten.

Welche Rolle spielt in der Vorbereitung der Lehrbetrieb?
Kaya: Ohne Unterstützung durch den Betrieb wäre die Vorbereitung kaum machbar. Wir können zum Glück während der Arbeitszeit üben. Zudem durfte ich einen zweitägigen Vorbereitungskurs in Zürich besuchen. Und: Wir können einige Werkzeuge und Maschinen aus dem Betrieb mit an die Prüfung nehmen – also mit den vertrauten Instrumenten arbeiten.
Matera: Sehr wertvoll ist das Coaching durch unsere Berufsbildenden. Sie sehen genau, wo wir noch Lücken haben, und helfen uns, diese zu schliessen.

Wie läuft die Vorbereitung in den überbetrieblichen Kursen und in der Berufsfachschule?
Matera: In der Schule lösen wir Nullserien, um ein Gefühl für die Inhalte und den Ablauf der Prüfung zu bekommen. Im überbetrieblichen Kurs gab es zwei Simulationstage, sodass man den Ernstfall schon einmal erleben konnte.

Wie viel Zeit investieren Sie in die Vorbereitung? Bleibt noch Raum fürs Privatleben?
Matera: Der zeitliche Aufwand ist schwer zu beziffern, da wir mehrheitlich während der Arbeit üben. Ich komme aber seit einiger Zeit jeden zweiten Samstag für einen halben Tag in den Lehrbetrieb, um praktische Abläufe zu festigen. Für die Theorie investiere ich gut eine Stunde pro Woche. Und ja: Für Hobbys und Freunde bleibt noch Zeit.
Kaya: Ich konzentriere mich ausserhalb des Betriebs auf die mündlichen Prüfungen und lerne rund zwei bis drei Stunden die Woche. Auch bei mir bleibt also etwas Freizeit übrig.

Wenn sie nochmals mit der Lehre starten könnten: Würden Sie etwas anders machen, um besser auf das QV vorbereitet zu sein?
Kaya: Ich würde in der Berufsfachschule vom ersten Tag an besser aufpassen. Anfangs habe ich die Schule zu wenig ernstgenommen.
Matera: Das unterschreibe ich. Hätte ich von Beginn an konzentriert gelernt, wäre mein Notenpolster für die Prüfung grösser. Auch mit Üben für die praktische Prüfung würde ich früher starten – sicher ein Jahr vor dem Termin.

Geht alles gut, endet Ihre Lehre im Sommer. Was kommt danach?
Kaya: Ich bleibe bis zum Militärdienst – den ich als Durchdiener leiste – im Lehrbetrieb. Vielleicht kann ich danach dorthin zurückkehren. Bevor ich über eine Weiterbildung nachdenke, möchte ich Berufserfahrung sammeln.
Matera: Auch ich kann im Betrieb bleiben. Ich weiss, dass ich hier noch viel lernen kann. Diese Chance möchte ich nutzen.

Infobox

Berufsabschluss für Erwachsene

Carrosseriespengler/innen setzen Fahrzeugkarosserien instand und beheben Unfall- oder Hagelschäden. Carrosserielackierer/innen erneuern, verschönern, schützen oder beschriften Fahrzeugoberflächen. Beide beruflichen Grundbildungen dauern vier Jahre und schliessen mit einem eidg. Fähigkeitszeugnis (EFZ) ab. Mehr unter carrosseriesuisse.ch → Bildung.

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