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«Professional Bachelor» und «Professional Master» - «Wir wollen das Niveau dieser Abschlüsse sichtbar machen»

Seit Oktober kennt das Schweizer Bildungssystem zwei neue Titelzusätze: «Professional Bachelor» und «Professional Master». Sie gelten für Abschlüsse der höheren Berufsbildung. Rémy Hübschi erklärt ihre Bedeutung. Er ist stellvertretender Direktor des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI).

Rolf Marti

«Die Titelzusätze stärken das gesellschaftliche Ansehen der höheren Berufsbildung», sagt Rémy Hübschi. Bild: Jeroen Seyffer

Die Begriffe «Bachelor» und «Master» stammen aus der akademischen Bildung. Neu gibt es sie auch für Abschlüsse der höheren Berufsbildung. Was soll damit erreicht werden?
Wir wollen das Niveau dieser Abschlüsse sichtbar machen. Die höhere Berufsbildung ist auf der Tertiärstufe des Bildungssystems angesiedelt – wie die Hochschulen. Wer mit dem Schweizer Bildungssystem nicht vertraut ist, erkennt dies jedoch nicht. Für Inhaberinnen und Inhaber eines entsprechenden Abschlusses kann dies eine Herausforderung sein, wenn sie sich im Ausland oder bei international tätigen Unternehmen bewerben. Mit den Titelzusätzen «Professional Bachelor» und «Professional Master» schaffen wir Klarheit.

Welche Bildungsabschlüsse berechtigen zum Titelzusatz «Professional Bachelor»?
Der Abschluss einer Berufsprüfung mit eidg. Fachausweis oder eines Bildungsgangs an einer höheren Fachschule mit Diplom HF. Neu heisst es beispielsweise «HR-Fachfrau mit eidg. Fachausweis, Professional Bachelor» beziehungsweise «dipl. Pflegefachmann HF, Professional Bachelor».

Und welche Bildungsabschlüsse berechtigen zum Titelzusatz «Professional Master»?
Der Abschluss einer höheren Fachprüfung mit eidg. Diplom. Höhere Fachprüfungen bauen in der Regel auf einem eidg. Fachausweis auf. Um auch hier ein Beispiel zu nennen: «Leiterin Human Resources mit eidg. Diplom, Professional Master».

«Professional Bachelor» und «Professional Master» werden als Titelzusätze bezeichnet. Was bedeutet das?
Dass sie nur in Kombination mit dem eidgenössisch geschützten Titel – so wie in obigen Beispielen – verwendet werden dürfen. Diese existieren in Deutsch, Französisch und Italienisch. Zudem dürfen die Titelzusätze als Teil der englischen Titelübersetzung verwendet werden.

Den «Professional Bachelor» gibt es bereits für einen einjährigen berufsbegleitenden Bildungsgang. Der akademische Bachelor erfordert meist drei Studienjahre. Ist das fair?
Die Dauer der Ausbildung steht nicht im Vordergrund. Die höhere Berufsbildung steht für die Verbindung von Theorie und Praxis. Die Absolventinnen und Absolventen verfügen nicht nur über theoretisches Wissen, sondern auch über Berufserfahrung – oft langjährige. Wir wollen – wie erläutert – mit den Titelzusätzen sichtbar machen, dass es sich um tertiäre Abschlüsse handelt. Um die Akzeptanz in Wirtschaft und Gesellschaft zu fördern, begleiten wir die Einführung mit Kommunikationsmassnahmen.

Die Titelzusätze waren politisch umstritten. Welche Einwände gab es?
Einerseits wurde eine Akademisierung der Berufsbildung befürchtet, andererseits eine zu wenig deutliche Abgrenzung zu den Hochschulabschlüssen. Mit der jetzigen Lösung hat der Gesetzgeber einen überzeugenden Kompromiss gefunden. Zudem wird damit der Wildwuchs der letzten Jahre beendet.

Die neue Regelung gilt seit dem 1. Oktober 2026. Was ist mit Berufsleuten, die davor einen Abschluss gemacht haben – dürfen auch sie den Titelzusatz führen?
Alle Personen mit einem Abschluss der höheren Berufsbildung dürfen den jeweiligen Titelzusatz zusammen mit dem geschützten Titel tragen, unabhängig vom Abschlussjahr. Das SBFI stellt auf der Website ein Dokument zur Verfügung. Dieses erläutert den Titelzusatz und kann dem Fachausweis oder dem Diplom bei Bewerbungen beigelegt werden.

Verbessern die Titelzusätze die Chancen auf dem Arbeitsmarkt?
Ja, speziell im Ausland oder bei international tätigen Unternehmen. Hinzu kommt: KI übernimmt im Bewerbungsprozess immer öfter die Vorselektion. Fehlen im Dossier Begriffe wie «Bachelor» oder «Master», besteht die Gefahr, dass es aussortiert wird. Die Titelzusätze beugen also einer potenziellen Benachteiligung vor.

Wie optimistisch sind Sie, dass die neuen Titelzusätze im Arbeitsmarkt akzeptiert werden?
Die Wirtschaft hat die Titelzusätze gefordert – wie sie reagiert, wird sich zeigen. Wir werden das in einigen Jahren evaluieren. Die Titelzusätze haben aber noch eine weitere Dimension: Sie stärken das gesellschaftliche Ansehen der höheren Berufsbildung. Das ist ein wichtiges Signal an junge Berufsleute, sich für diesen Weg zu entscheiden.

Infobox

Das SBFI beantwortet auf seiner Website oft gestellte Fragen zu den Titelzusätzen «Professional Bachelor» und «Professional Master».

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