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Lehrbeginn - «Ein guter Lehrstart beginnt lange vor dem ersten Arbeitstag»

Der Einstieg in die Berufswelt ist für Jugendliche ein grosser Schritt. Franziska Egli ist Berufsbildnerin bei Eicher + Pauli Bern AG und begleitet eine neue Lernende auf ihrem Weg zur Gebäudetechnikplanerin Lüftung EFZ. Die Berufsbildnerin erklärt im Interview, wie der Lehrstart gelingt und worauf sie bei der Begleitung von Lernenden besonders Wert legt.

Kathrin Kiener 

«Lernende sollen gefordert, aber nicht überfordert werden», sagt Franziska Egli.

Eine neue Lernende kommt in Ihren Betrieb. Was gehört für Sie zur Vorbereitung dazu?
Ein guter Lehrstart beginnt lange vor dem ersten Arbeitstag. Rund drei Monate vorher richten wir den Arbeitsplatz ein, organisieren Computer und Programme und planen die Einführung. Einige Wochen vor dem Start nehmen wir Kontakt mit der Lernenden auf und erklären ihr, was sie am ersten Arbeitstag erwartet. Ein gemeinsames Mittagessen am ersten Tag hilft dabei, dass sie sich von Anfang an als Teil des Teams fühlt.

Was ist in den ersten Tagen wichtig, damit sich eine Lernende im Betrieb willkommen und gut aufgehoben fühlt?
Die ersten Tage entscheiden oft darüber, wie gut sich eine Lernende im Betrieb einlebt. Mir ist wichtig, dass sie gut integriert ist und sich nicht als Anhängsel fühlt. Sie lernt das Team kennen, erhält die nötigen Schulungen und kann schon bald erste Aufgaben in Projekten übernehmen. Mit gegenseitigen Feedbackgesprächen prüfe ich regelmässig, ob sich die Lernende gut eingelebt hat und wo ich sie noch besser unterstützen könnte.

Der Einstieg in die Arbeitswelt ist für viele Jugendliche eine grosse Veränderung. Wie unterstützen Sie Lernende dabei, selbstständig zu werden?
Lernende sollen gefordert, aber nicht überfordert werden. Deshalb schaue ich am Anfang genau hin: Wie lernt diese Person am besten? Darauf stimme ich die Begleitung ab. Selbstständigkeit beginnt oft mit kleinen Aufgaben wie dem Telefondienst oder organisatorischen Arbeiten. Schritt für Schritt übernehmen die Lernenden dann mehr Verantwortung und wachsen so in ihre Rolle hinein.

Welche Erwartungen haben Sie an eine neue Lernende – und was darf sie umgekehrt von Ihnen erwarten?
Ich wünsche mir Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, dranzubleiben, auch wenn etwas nicht auf Anhieb gelingt. Umgekehrt darf die Lernende von mir erwarten, dass ich sie Schritt für Schritt bis zum Lehrabschluss begleite und mein Wissen mit ihr teile. Auch wenn unser Arbeitsalltag oft hektisch ist, nehme ich mir bewusst Zeit für die Ausbildung. Diese Investition lohnt sich – für die Lernenden und für den Betrieb.

Wie fördern Sie das Vertrauen und die Zusammenarbeit mit Ihren Lernenden?
Eine gute Zusammenarbeit entsteht nicht von allein – es ist ein Geben und Nehmen. Ich höre zu, suche das Gespräch und interessiere mich auch für den Menschen hinter der Lernenden. Gemeinsame Pausen gehören ebenso dazu wie ein offenes Ohr, wenn etwas schwierig ist. Meine Erfahrung zeigt, dass dadurch mit der Zeit eine Vertrauensbasis entsteht. So kommen die Lernenden auch mit Unsicherheiten oder Problemen auf mich zu.

Was bedeutet für Sie eine gute Begleitung während der Lehre?
Entscheidend ist für mich, auch dann da zu sein, wenn es schwierig wird. Rückschläge gehören zur Ausbildung dazu – wichtig ist, dass die Jugendlichen daraus lernen und nicht aufgeben. Gerade der Wechsel von der Schule in die Arbeitswelt ist für sie eine grosse Umstellung. Wir geben ihnen hier im Betrieb das nötige Rüstzeug, unterstützen sie in schwierigen Phasen und zeigen ihnen, dass Fehler zum Lernen dazugehören.

Was freut Sie besonders daran, junge Menschen auszubilden, und was wünschen Sie Ihrer neuen Lernenden für ihren weiteren Weg?
Es freut mich, junge Menschen auf ihrem Weg ins Berufsleben zu begleiten und mitzuerleben, wie sie sich fachlich und persönlich weiterentwickeln. Dabei gebe ich nicht nur mein Wissen weiter – ich lerne auch immer wieder von ihnen. Meiner neuen Lernenden wünsche ich, dass sie ihre Freude am Beruf behält, offen für Neues ist und ihren Platz in der Berufswelt findet.

Infobox

Berufsprofil
Im August starten im Kanton Bern rund 10'000 Jugendliche eine berufliche Grundbildung (EFZ oder EBA). Die Praxisausbildung im Betrieb erfolgt durch Berufsbildnerinnen und Berufsbildner. Voraussetzung für die Begleitung von Lernenden ist ein obligatorischer Kurs, der Themen wie Arbeitsrecht, Ausbildungsmethodik und Jugendpsychologie vermittelt. Nach dem Lehrabschluss bietet das Schweizer Bildungssystem direkte Weiterbildungswege über Berufsprüfungen, Höhere Fachschulen oder – mit Berufsmaturität – an die Fachhochschulen. Informationen und Beratung zur Berufswahl und Laufbahngestaltung erteilen die Berufsberatungs- und Informationszentren (BIZ) im Kanton Bern.
www.biz.bkd.be.ch

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