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Kaminfeger/in EFZ - «Meine Arbeit ist ökologisch wertvoll und sicherheitsrelevant»

Samantha Thun lernt Kaminfegerin bei der Kaminfeger Joost AG in Oberdiessbach. Dass der Beruf nicht den gängigen Klischees entspricht, merkte sie während einer Schnupperlehre. Sie war sofort begeistert – und ist es noch.

Rolf Marti 

«Der Beruf weckt in den Köpfen unterschiedliche Bilder – die meisten haben wenig mit dem heutigen Berufsbild zu tun», sagt Samantha Thun.

Sie absolvieren eine Lehre als Kaminfegerin. Wer oder was hat Sie dazu motiviert?
Eigentlich begann ich letztes Jahr die Fachmittelschule. Doch schon bald spürte ich: Das ist nicht der richtige Ort für mich. Also machte ich mich auf die Suche nach einer Lehrstelle – zunächst als Tiermedizinische Praxisassistentin. Leider ohne Erfolg. Dann sagte meine Mutter: «Schau dich nach handwerklichen Berufen um.». Etwas später fragte sie: «Was ist mit Kaminfegerin?» Ich hatte keine klare Vorstellung von diesem Beruf. Doch nach der Schnupperlehre bei Kaminfeger Joost war ich begeistert. Sie fand Mitte Dezember statt, Anfang Januar 2026 begann ich bereits meine Lehre – rückwirkend auf Lehrbeginn 2025.

Sie lernen einen Beruf, dem viele Klischees anhaften – von den Glücksbringerinnen bis zu den schwarzen Brüdern. Begegnen Ihnen diese Klischees bei der Arbeit oder privat?
Ja. Kundinnen und Kunden begrüssen mich manchmal mit «Da kommt die Glücksbringerin.». Der Beruf weckt in den Köpfen unterschiedliche Bilder – die meisten haben wenig mit dem heutigen Berufsbild zu tun.

In einer Berufsbeschreibung steht: «Kaminfegerinnen und Kaminfeger kontrollieren und reinigen wärmetechnische Anlagen und Lüftungen». Was bedeutet das konkret?
Die Ausbildung umfasst die beiden Fachrichtungen «Lufthygienische und energetische Messungen» sowie «Lüftungsanlagen». Im dritten Lehrjahr spezialisiert man sich in einer Fachrichtung – je nach Lehrbetrieb. Kaminfeger Joost ist in der ersten Fachrichtung tätig. Wir reinigen Heizungsanlagen, die mit Öl, Gas oder Holz betrieben werden. Vom Schwedenofen bis zur Grossanlage eines Wärmeverbunds. Jedes Teil muss sauber sein, damit die Feuerungsanlage energieeffizient und brandschutzkonform arbeitet. Zudem messen wir im Auftrag des Amts für Umwelt und Energie die Emissionswerte von Heizanlagen.

Ist der Rohrwischer Ihr wichtigstes Arbeitsinstrument – oder ist heute mehr Technik im Spiel?
Der Rohrwischer ist nach wie vor unverzichtbar. Wir haben ihn in allen Varianten dabei. Allerdings wird er heute nicht mehr von Hand, sondern mit einem Akkuschrauber gedreht. Weitere Werkzeuge sind der Strubel, das Kratzeisen und der Staubsauger. Im Lüftungsbereich kommen bei Spezialunternehmen auch Sonden und Roboter zum Einsatz.

Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf?
Ich bin jeden Tag in einer anderen Umgebung unterwegs. Und: Jede Heizung, jeder Ofen ist anders. Das macht die Arbeit abwechslungsreich. Zudem komme ich mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt. Nicht zu vergessen: Meine Arbeit ist ökologisch wertvoll und sicherheitsrelevant – das gefällt mir.

Welche Eigenschaften sollte man für Ihren Beruf mitbringen?
Man sollte körperlich belastbar sein, gerne anpacken, keine zwei linken Hände haben und auch keine Angst davor, dass die Hände mal schwarz werden könnten … (lacht). Menschenkenntnis und Freundlichkeit gegenüber Kundinnen und Kunden ist ebenfalls gefragt. Für die Berufsfachschule sollte man ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und mathematisches Interesse mitbringen.

Welchen Risiken sind Sie in Ihrem Beruf ausgesetzt – Giftstoffen, Verbrennungen …?
Das Gefahrenpotenzial ist gering. Wichtig ist, bei der Arbeit den Kopf bei der Sache zu haben. Gegen Russ- und Staubpartikel schützen wir uns mit Masken. Verbrennungen gibt es kaum, da wir die Anlagen nur reinigen, wenn sie kalt sind.

Fossile Heizsysteme verlieren an Bedeutung. Hat Ihr Beruf Zukunft?
Auf jeden Fall. Öl- und Gasfeuerungen wird es noch lange geben. Und Holzfeuerungen mit Pellets oder Holzschnitzel sowie Schwedenöfen sind im Trend. Zudem erschliessen wir auch neue Tätigkeitsfelder. Kaminfeger Joost reinigt beispielsweise auch Solaranlagen. Auch da geht es darum, einen reibungslosen und energieeffizienten Betrieb sicherzustellen.

Haben Sie berufliche Pläne für die Zeit nach der Lehre?
Ich kann mir vorstellen, Berufsbildnerin zu werden – also selbst Lernende auszubilden. Auch eine Weiterbildung ziehe ich in Betracht. Zurzeit steht jedoch die Lehre im Vordergrund.

Infobox

Kaminfegerinnen und Kaminfeger sorgen für Sicherheit und Effizienz von Heizungsanlagen, Schornsteinen und Lüftungssystemen. Die berufliche Grundbildung dauert drei Jahre und schliesst mit einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) ab. Danach stehen zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten offen. www.kaminfeger.ch

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