
Informatikberufe sind beliebt – doch viele Jugendliche stellen sich die Arbeit anders vor, als sie ist. Einblicke in den Berufsalltag schaffen Klarheit, sagt Martin Weber. Er ist Fachverantwortlicher Informatikberufe beim Bundesamt für Informatik und Telekommunikation BIT.
Rolf Marti
Was macht Informatikberufe bei Jugendlichen so beliebt?
Junge Menschen wachsen in einer digitalen Welt auf. Sie nutzen Handys, Laptops, Tablets und Computer in Schule und Freizeit. Wer gerne mit diesen Tools arbeitet, denkt vielleicht: Ich möchte Informatikerin bzw. Informatiker werden, obwohl Computer heute in fast allen Berufen wichtig sind. Zudem verbinden viele die Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) mit guten Berufsperspektiven und einer sicheren Zukunft – auch wenn ungewiss ist, wie sich Künstliche Intelligenz auf die Informatikberufe auswirken wird.
Haben Jugendliche eine realistische Vorstellung davon, was Informatikfachleute tun?
Eher selten. Die vierjährige berufliche Grundbildung Informatiker/-in EFZ kann man in zwei Fachrichtungen absolvieren: Applikationsentwicklung und Plattformentwicklung. Viele Jugendliche denken, Applikationsentwicklerinnen und -entwickler programmieren und spielen den ganzen Tag Games. So ist es nicht. Sie programmieren Geschäfts- und Alltagssoftware, entwickeln Apps und Websites. Bei der Plattformentwicklung haben viele Jugendliche kein Bild vor Augen oder denken ans Kabelumstecken im Serverraum. Auch das ist weit entfernt von der Realität. Plattformentwicklerinnen und -entwickler planen und warten Serversysteme und sorgen dafür, dass die Infrastruktur reibungslos funktioniert und vor Hackerangriffen geschützt ist. Ausserdem gibt es die dreijährige Grundbildung ICT-Fachfrau/-mann EFZ. Sie integrieren Peripheriegeräte wie Webcams oder Drucker in die Netzinfrastruktur und unterstützen Anwenderinnen und Anwender.
Das BIT ermöglicht Jugendlichen Einblicke in die Welt der Informatik. Wie genau?
Wir bieten regelmässig eine halbstündige Online-Informationsveranstaltung an, bei der wir das BIT, die drei genannten Berufe und die Möglichkeit vorstellen, diese zu erkunden. Diese Veranstaltungen sind offen für Jugendliche, Eltern und Schulklassen. Die nächste Stufe ist der Erlebnistag: Die Jugendlichen kommen ins BIT, wo ihnen unsere Lernenden die drei Berufe vorstellen und sie unter Anleitung erste praktische Übungen durchführen können. Die dritte Stufe der Berufserkundung ist der Schnuppertag: Die Jugendlichen entscheiden sich für einen der drei Informatikberufe und verbringen einen Tag mit unseren Lernenden.
Was erleben die Jugendlichen am Schnuppertag?
Die Jugendlichen erhalten Einblicke in den Berufsalltag, können Fragen stellen und selber programmieren. In der Applikationsentwicklung entwickeln sie beispielsweise eine App, die Schulnoten erfasst und den aktuellen Notenschnitt berechnet. Sie programmieren sowohl die Funktionalität als auch das Design der App. In der Plattformentwicklung programmieren sie entweder einen Wärmesensor, der Alarm gibt, wenn ein Gerät zu heiss wird, oder lernen, Informationspakete zu verschlüsseln, um die Sicherheit der IT-Systeme zu gewährleisten.
Bei den ICT-Fachleuten setzen sie einen Laptop auf oder lernen, wie man Hardware- oder Softwareprobleme von Anwenderinnen und Anwendern löst. Dank dieser Einblicke können die Jugendlichen ihre Fähigkeiten und Interessen besser einschätzen.
Wie muss man vorgehen, wenn man beim BIT schnuppern will?
Für die Online-Informationsveranstaltungen meldet man sich per E-Mail (Kasten) an. Für den Erlebnis- und den Schnuppertag braucht es eine Online-Bewerbung mit Lebenslauf und dem letzten Zeugnis. Zudem müssen ein paar Fragen beantwortet werden. Beide Angebote stehen Schülerinnen und Schülern der 7. und 8. Klasse offen.
Welche Chancen haben Jugendliche nach dem Schnuppertag, beim BIT eine Lehrstelle zu bekommen?
Der Tag ermöglicht uns, die Fach- sowie Sozialkompetenz der Jugendlichen und damit die Berufseignung einzuschätzen. Wer einen positiven Eindruck hinterlässt, hat gute Chancen, zu einem Kennenlerngespräch eingeladen zu werden. Eine Schnupperlehre im BIT ist jedoch nicht Voraussetzung, um sich bei uns auf eine Lehrstelle bewerben zu können. Wichtig ist, dass man das Berufsfeld erkundet hat – idealerweise in zwei bis drei Betrieben.
ICT-Berufe BIT
Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation BIT bildet rund 90 Nachwuchskräfte in den Berufen Informatiker/-in EFZ (Fachrichtungen Plattform- und Applikationsentwicklung), ICT-Fachfrau/-mann EFZ, Entwickler/-in digitales Business EFZ und Mediamatiker/-in EFZ und dem praxisintegrierten Bachelorstudium in Informatik (PiBS) aus.
Anmeldung für Online-Informationsveranstaltungen unter:
nachwuchsfoerderung@bit.admin.ch
Alle Informationen zur Berufserkundung unter:
www.bit.admin.ch/schuelerinnen-maturandinnen
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