Wer sich beruflich im Umweltbereich engagieren möchte, kann sich die erforderlichen Kompetenzen im Rahmen einer neuen Berufsprüfung aneignen. Simon Zysset von der OdA Umwelt, der Trägerin des Berufs, stellt das Bildungsangebot vor.
Rolf Marti

Die meisten Umweltprofis haben studiert. Für Leute aus der Berufsbildung gibt es kaum Bildungsangebote. Liegt da ein Potenzial brach?
Ja. Nicht jeder Umweltberuf braucht einen akademischen Abschluss. Viele Aufgaben verlangen vor allem berufliche Erfahrungen sowie Kompetenzen in Projektmanagement und Kommunikation. Die Berufsbildung kann das vermitteln.
Gibt es im Bereich der beruflichen Grundbildung typische Umweltberufe?
Wenige. Die prominentesten sind Recyclist/in EFZ und Solarinstallateur/in EFZ. Beide Berufe kommen bei Jugendlichen gut an. Umweltwissen sollte jedoch in jedem Beruf eine Rolle spielen. Kurzer Spot: Die OdA Umwelt steht anderen Berufsorganisationen, welche dieses Wissen in ihren Berufsbildern verankern wollen, gerne als Kompetenzzentrum zur Seite.
In der höheren Berufsbildung gab es bisher die beiden Berufsprüfungen «Umweltberater/in» und «Natur- und Umweltfachfrau/-fachmann». Jetzt werden sie zusammengelegt. Weshalb?
Beide Berufe wurden vor 20 Jahren eingeführt. Es war an der Zeit, sie zu modernisieren. Während des Prozesses meldeten sich drei Verbände mit angrenzenden Bildungsangeboten bei uns. Gemeinsam haben wir eine Berufsprüfung mit fünf Fachrichtungen entwickelt: Umweltmanagement, Umweltkommunikation, Ranger/in, Biodiversitätsförderung, Tierschutz.
Die neue Berufsprüfung heisst «Fachfrau/Fachmann Natur und Umwelt». Welche Aufgaben übernehmen diese Profis?
Das ist je nach Fachrichtung unterschiedlich. Kompetenzen in Umweltmanagement und Umweltkommunikation sind bei Behörden und Firmen gefragt, um Umweltprojekte umzusetzen oder die Öffentlichkeit zu informieren und zu sensibilisieren. Rangerinnen und Ranger übernehmen in Naturschutzgebieten Aufsichts- und Informationsaufgaben. Fachleute für Biodiversitätsförderung sind im Bio- und Naturgartenbau tätig – sie beraten und/oder setzen Projekte um. Im Tierschutz schliesslich stehen Aufsicht und Beratung zur Haltung von Haus-, Nutz- und Zootieren im Fokus. Entsprechendes Know-how ist unter anderem in der Landwirtschaft, bei der Polizei oder an Gerichten gefragt.
Wie sehen die Job-Perspektiven dieser Fachleute aus?
Gut. Allerdings arbeiten die wenigsten voll im Umweltbereich – ausgenommen die Rangerinnen und Ranger und die Fachleute für Biodiversitätsförderung. Biodiversitätsförderung ist oft Teil der naturnahen Umgebungsgestaltung. Oft werden Umweltthemen einem bestehenden Stellenprofil als Teilaufgabe zugeteilt.
Wie sind die Vorbereitungslehrgänge auf die Berufsprüfung aufgebaut?
In den zwei Grundmodulen lernen die Teilnehmenden die Grundlagen ökologischer Nachhaltigkeit kennen und erwerben Kompetenzen in Kommunikation, Beratung und Projektmanagement. Diese Inhalte sind für alle Fachrichtungen gleich und machen ein Drittel der Ausbildung aus. Danach folgen vier bis sechs Fachmodule – je nach Richtung. Die berufsbegleitenden Lehrgänge dauern etwa ein Jahr, der zeitliche Aufwand entspricht rund 20 Prozent einer Vollzeitstelle.
Welche Zulassungskriterien gelten für die Lehrgänge bzw. für die Berufsprüfung?
Voraussetzung für die Berufsprüfung sind eine abgeschlossene Lehre (EFZ) oder gleichwertige Qualifikation, für die Modulabschlüsse des Lehrgangs sowie fünf Jahre Berufserfahrung und – davon mindestens ein Jahr im Umweltbereich. Idealerweise arbeiten die Teilnehmenden schon im Umweltbereich. So können sie Theorie und Praxis optimal verknüpfen. Wer die Berufsprüfung (noch) nicht absolvieren will, kann auch einzelne Module eines Lehrgangs besuchen.
Was kostet die Ausbildung, wann kommen die ersten Fachleute auf den Arbeitsmarkt?
Die Kurse kosten höchstens 15 000 Franken. Wer die Prüfung absolviert, bekommt die Hälfte vom Bund zurückerstattet. Die Prüfung selbst kostet maximal 2500 Franken. Die Lehrgänge werden seit diesem Jahr angeboten, die erste Prüfung erfolgt 2028.
Woran messen Sie den Erfolg des neuen Bildungsangebots?
Wir rechnen mit 50 bis 100 Absolvierenden pro Jahr. Erfolg zeigt sich auch daran, ob die Fachleute ihr Umweltwissen und ihre erworbenen Kompetenzen im Beruf sinnvoll nutzen können.
Infobox
«Fachpersonen Natur und Umwelt» übernehmen anspruchsvolle Aufgaben in den Bereichen Umwelt-, Natur- oder Tierschutz. Sie entwickeln Lösungen, setzen Projekte um, informieren und sensibilisieren Zielgruppen. Sie arbeiten in öffentlichen Verwaltungen, Verbänden, Nichtregierungsorganisationen oder Unternehmen. Auch eine selbstständige Tätigkeit ist möglich. www.umweltprofis.ch/eidgenoessische-pruefungen
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