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«Das EBA leistet einen Beitrag zur Fachkräftesicherung»

Hat die Entwicklung der EBA-Ausbildung genauer untersucht: Sonja Engelage.

EBA-Studie

Sonja Engelage hat mit ihrer Berufskollegin Alexandra Strebel eine Studie über die Entwicklung der zweijährigen beruflichen Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) verfasst. Im Gespräch ordnet sie die Ergebnisse ein. Sie ist Senior Researcher an der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung EHB.

Peter Brand

Frau Engelage, was genau war der Anlass für Ihre Studie?
Das EBA wurde vor zwanzig Jahren mit der Berufsbildungsreform eingeführt. Wir wollten Bilanz ziehen. Mit dem EBA verbunden war die Idee, Jugendlichen mit eher schwachen schulischen Leistungen einen Einstieg in das reguläre Berufsbildungssystem zu ermöglichen. Damit wurde anfangs der Nullerjahre nach und nach die vorherige Anlehre abgelöst, die weder zu einem eidgenössisch anerkannten Abschluss führte noch Anschlussmöglichkeiten zum EFZ bot. Wir schauten, wie sich die Idee der sozialen Inklusion über die Jahre hinweg entwickelt hat. Und natürlich wollten wir auch wissen, ob es gelungen ist, dabei die wirtschaftlichen Interessen der Betriebe zu berücksichtigen.

Die Studie kommt zum Schluss, dass das EBA eine Erfolgsgeschichte ist. Woran machen Sie dies fest?
Eine Erfolgsgeschichte ist es insofern, als dass das EBA in der Schweiz gut etabliert ist und immer mehr jungen Menschen einen Einstieg in die Arbeitswelt ermöglicht. Zwei bis vier Jahre nach dem Abschluss sind über 80 Prozent der EBA-Absolventinnen und -Absolventen erwerbstätig. Rund 40 Prozent haben ein EFZ erworben. Mit dem EBA hat die Schweiz eine Ausbildung geschaffen, die wirtschaftliche Anforderungen mit sozialer Integration verbindet. Besonders macht das EBA die klare Anerkennung als eigenständiger Berufsabschluss, die guten Anschlussmöglichkeiten und die enge Einbindung der Wirtschaft.

Aber?
Der EBA-Weg garantiert keinen automatischen Erfolg. Viele Lernende brauchen zusätzliche Unterstützung auf ihrem Bildungs- und Berufsweg. Entscheidend sind dabei engagierte Lehrpersonen und Berufsbildende. Eine zentrale Aufgabe ist es, die Ausbildungsprofile so zu gestalten, dass die Lernenden gefördert, aber nicht überfordert werden – und sich fachlich wie persönlich entwickeln können.

Die EBA wurde vor 20 Jahren ins Leben gerufen. Wie viele Jugendliche absolvieren mittlerweile eine Ausbildung?
Derzeit sind ungefähr 14‘000 Jugendliche in der Schweiz in einer EBA-Ausbildung. Im Abschlussjahr 2023 war jeder zehnte Abschluss der beruflichen Grundbildung ein EBA. Der beliebteste EBA-Beruf ist Detailhandelsassistent/-in. Ansonsten gibt es, wie beim EFZ, starke geschlechtsspezifische Unterschiede. Junge Frauen wählen häufig Assistentin Gesundheit und Soziales, junge Männer werden Logistiker oder Automobil-Assistent.

Sie sahen sich in Ihrer Studie vier EBA-Berufe näher an. Welche sind das – und warum standen gerade diese vier im Zentrum?
Wir untersuchten einerseits zwei neue EBA-Berufe in den Bereichen Gastronomie und Zweiradreparatur. Uns interessierte, was die Organisationen der Arbeitswelt (OdA) dazu bewegt hat, diese einzuführen. Andererseits nahmen wir zwei EBA-Berufe in den Bereichen Floristik und Milchverarbeitung unter die Lupe, die bereits seit bald zwanzig Jahren existieren. Hier wollten wir von den verantwortlichen OdA wissen, wie sich diese etabliert haben.

Was lässt sich aus den Ergebnissen ableiten? Welches sind die treibenden Kräfte bei der Entwicklung von EBA-Berufen?
In Berufen mit früherer Anlehre war das EBA eine naheliegende Weiterentwicklung. Für die OdA bietet das EBA mehrere Vorteile: Es erweitert den Rekrutierungspool, ermöglicht Durchlässigkeit zum EFZ und verhindert, dass Lernende bei Schwierigkeiten ganz aussteigen. Damit leistet das EBA einen Beitrag zur langfristigen Fachkräftesicherung. Der Fachkräftemangel ist denn auch der treibende Motor für die neu entwickelten EBA-Berufe. Aber auch soziale Motive spielen eine wichtige Rolle. Viele Betriebe wollen schulisch schwächeren Jugendlichen eine Chance geben. Gelingt die Integration in den Arbeitsmarkt, sind die Betriebe zurecht stolz auf ihr Engagement.

Haben Sie auch Erkenntnisse darüber gewonnen, wie sich die EBA weiterentwickeln könnte/müsste?
EBA-Berufe müssen, wie EFZ-Berufe auch, immer wieder an neue Entwicklungen angepasst werden, damit die Absolvierenden auf dem Arbeitsmarkt produktiv eingesetzt werden. Diese Berufsentwicklungen sind Aufgabe der OdA. Eine grosse Verantwortung liegt bei den Betrieben respektive bei den Ausbildungsverantwortlichen. Sie gilt es zu motivieren und zu unterstützen, damit sie diese wichtige Aufgabe weiterhin mit viel Herzblut erfüllen. 

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