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Berufsbildung Gebäudetechnik - «Der Bildungscoach steht den Lehrbetrieben als Mentor zur Seite»

Suissetec Bern, der Verband der Gebäudetechnikbranche, begleitet die Lehrbetriebe neu mit einem Bildungscoach. Damit sollen die Lehrbetriebe entlastet und die Ausbildungsqualität erhöht werden. Das Pilotprojekt ist auf zwei Jahre befristet. Im Gespräch: Marcel Marolf, Geschäftsführer Suissetec Bern.

Rolf Marti

«Die Lehrbetriebe sind froh, wenn sie schwierige Themen niederschwellig mit einem Vertreter der Branche diskutieren können», sagt Marcel Marolf. Foto: Ruben Ung

Herr Marolf, in der Gebäudetechnikbranche ist die Quote der Lehrvertragsauflösungen verhältnismässig hoch. Wo liegen die Ursachen?Mehrere Faktoren spielen da vermutlich zusammen. Auf Seiten von Jugendlichen und deren Eltern verläuft die Berufswahl nicht immer optimal. Unter anderem wird zu wenig detailliert abgeklärt, ob das Berufsbild mit den persönlichen Interessen und Stärken übereinstimmt. Zudem sind unsere Berufe nicht immer erste Wahl; sie werden teilweise erst zum Thema, wenn man im Wunschberuf keine Lehrstelle findet. Auf Seiten der Lehrbetriebe wird die Eignung der Bewerberinnen und Bewerber teils zu oberflächlich evaluiert. Gewisse Betriebe versuchen es einfach, weil sie – im Gegensatz zu anderen Branchen – ein überschaubares Kostenrisiko eingehen. Hinzu kommt: Jugendliche müssen heute anders geführt werden als früher. Das ist noch nicht überall angekommen.

Das Pilotprojekt «Bildungscoach» gibt Gegensteuer. Der Bildungscoach soll die Lehrbetriebe beraten und unterstützen. Wird das Angebot begrüsst?
Wir erhalten positive Rückmeldungen. Der Bildungscoach ist weder Kontrolleur noch Fachmann für die praktische Arbeit. Er steht den Lehrbetrieben als Mentor zur Seite, wenn Probleme mit Lernenden auftreten oder wenn Fragen allgemeiner Natur rund um die Lehre auftauchen. Er moderiert Gespräche, unterstützt mit Systemwissen und kennt Fachstellen, die bei Bedarf weiterhelfen können.

Laut Konzept kommt der Bildungscoach auch bei Standortbestimmungen zum Einsatz. Was ist damit gemeint?
Am Ende des ersten Semesters einer Lehre nehmen alle drei Lernorte – Lehrbetrieb, überbetrieblicher Kurs, Berufsfachschule – eine Standortbestimmung vor. Erachtet eine dieser Parteien den Ausbildungserfolg als gefährdet, findet ein Standortgespräch statt. Daran beteiligen sich der bzw. die Lernende, die gesetzlichen Vertreterinnen und Vertreter, der bzw. die Berufsbildende. Teilt der überbetriebliche Kurs oder die Berufsfachschule die Einschätzung, nehmen auch sie daran teil. Die Parteien vereinbaren Massnahmen und halten diese schriftlich fest. Der Bildungscoach moderiert diese Gespräche und kontrolliert deren Wirkung. Durch die frühzeitige Intervention soll Lehrvertragsauflösungen vorgebeugt werden.

Der Bildungscoach unterstützt auch die Sicherung der Ausbildungsqualität. Wie das?
Ausbilden ist anspruchsvoller geworden – aufgrund gesellschaftlicher Erwartungen und der Digitalisierung. Auch die Bildungspläne sind umfangreicher geworden. Vielen Ausbildungsverantwortlichen fehlt die Zeit, sich mit allem detailliert zu befassen. Da hilft der Bildungscoach weiter: Er vermittelt gezielt Wissen in kompakter Form. Auch der Umgang mit Jugendlichen ist anspruchsvoller geworden. Der Bildungscoach zeigt Berufsbildenden und Praxisbildenden – also Berufsleuten, die im Arbeitsalltag mit den Lernenden unterwegs sind –, wie sie herausfordernde Situationen meistern und die Jugendlichen führen können.

Sie bieten auch Soforthilfe in Form einer Hotline an. Wann wird sie benutzt?
In unterschiedlichen Situationen: Wenn sich nach dem Standortgespräch nichts verbessert, eine Lehrvertragsauflösung in Betracht gezogen wird, der Dialog mit den Erziehungsberechtigten schwierig ist, eine ADHS-Problematik eskaliert usw. Die Lehrbetriebe sind froh, wenn sie schwierige Themen niederschwellig mit einem Vertreter der Branche diskutieren können und sich nicht gleich an eine amtliche Stelle wenden müssen.

Das Pilotprojekt ist vorerst auf zwei Jahre befristet. Woran werden Sie den Erfolg messen?
Gegen Ende der Pilotphase werden wir mit allen involvierten Stellen Gespräche führen und den Mehrwert eruieren. Dann entscheiden wir über die Fortführung. Keine Erfolgskriterien sind die Lehrabschlussquote und die Quote der Lehrvertragsauflösungen. Um hier Aussagen machen zu können, müsste man einen längeren Zeitraum beobachten.

Infobox

Gebäudetechnikberufe

In der Gebäudetechnik gibt es fünf EFZ-Grundbildungen (Gebäudetechnikplaner/in, Heizungsinstallateur/in, Sanitärinstallateur/in, Spengler/in, Lüftungsanlagenbauer/in) und vier EBA-Grundbildungen (Heizungspraktiker/in, Lüftungsanlagenpraktiker/in, Sanitärpraktiker/in, Spenglerpraktiker/in). www.toplehrstellen.ch

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