Nach der Lehre im Ausland arbeiten? Pascale Lüthi hat sich diesen Traum erfüllt. Ende Mai kehrte die Fachfrau Betreuung von einem fünfmonatigen Arbeitseinsatz in Schweden zurück. Dieses wurde durch das Austauschprogramm «Away» ermöglicht.
Rolf Marti

Sie haben eine Lehre als Fachfrau Betreuung EFZ, Fachrichtung Kind, absolviert. Was hat Sie motiviert, kurz nach Lehrabschluss einen Arbeitseinsatz im Ausland zu absolvieren?
Der Wunsch, ins Ausland zu gehen, war schon lange da. Eigentlich wäre ich nach der Schule gerne für ein Jahr in die USA gegangen – aber es kam nur zu einem Aufenthalt in der Westschweiz. Während der Lehre habe ich von einer Kollegin vom Austauschprogramm «Away» erfahren (siehe Kasten). Sie hatte am Pilotprojekt teilgenommen. Also habe ich mich im Internet informiert, wie ich am Programm teilnehmen kann.
Was mussten Sie tun?
Ein Online-Formular ausfüllen und es mit einem Motivationsschreiben einsenden. Danach gab es einen Videocall mit den Projektverantwortlichen, um die Erwartungen auszutauschen. Unter allen Bewerbungen haben sie eine Auswahl getroffen – und ich war dabei.
Sie sind für fünf Monate nach Schweden gefahren – Ihre Wunschdestination oder wurde das Land vorgegeben?
Es standen mehrere europäische Länder zur Wahl. Da die erwähnte Kollegin ihren Arbeitseinsatz in Schweden absolviert und mir viel Positives darüber berichtet hatte, stand diese Destination ganz oben auf meiner Liste.
Sie haben an einer internationalen Schule gearbeitet. Wie haben Sie sich auf Land, Sprache und Arbeit vorbereitet?
Ich wollte unvoreingenommen nach Schweden reisen. Sprachlich vertraute ich auf mein Englisch, ein paar Brocken Schwedisch lernte ich in einem dreitägigen Kurs zu Beginn meines Aufenthalts. Mit dem Schulleiter tauschte ich mich im Vorfeld per Videocall aus. Ein Vorteil war sicher, dass eine weitere Kollegin bereits seit September am selben Ort im «Away»-Programm war. Sie sagte mir unter anderem, dass ich mich warm anziehen müsse. Mein Arbeitseinsatz startete im Januar ... (lacht).
Sie haben als Klassenassistenz und in der nachschulischen Betreuung gearbeitet. Was hat Sie besonders herausgefordert?
Die Sprache. Ich habe mit Kindern im Alter von fünf bis sieben Jahren gearbeitet. Da es sich um eine internationale Schule handelt, ist die Schulsprache Englisch – aber viele Kinder beherrschten sie noch kaum. Dann musste ich mich mit der Arbeitsweise der schwedischen Kolleginnen und Kollegen vertraut machen. Am Morgen unterstützte ich als Assistentin den Unterricht. Da ist alles sehr professionell. Am Nachmittag war ich in der ausserschulischen Betreuung tätig. Dort arbeiten primär Laien. Das war für mich als Profi eine Umstellung.
Wenn Sie die Arbeitsweise in Schweden mit jener in der Schweiz vergleichen: Wo sehen Sie Unterschiede?
In Schweden ist es familiärer und lockerer. Die Kinder werden mit Kosenamen wie «My Love» oder «Sweetheart» angesprochen – in der Schweiz undenkbar. Auch die Du-Kultur zwischen Lehrpersonen und Kindern war für mich neu. Die Kinder waren sehr offen und motiviert, die Lehrpersonen vermittelten den Stoff überaus spielerisch.
Sie haben in einer WG mit acht Studierenden gewohnt. Wie haben Sie das erlebt?
Sehr bereichernd. In der WG lebten Leute aus verschiedenen europäischen Ländern und eine Person aus China. So lernte ich unterschiedliche Kulturen und Alltagsgewohnheiten kennen – sei es beim Essen oder bei der Ordnung.
Was nehmen Sie aus dieser Zeit mit – beruflich und privat?
Beruflich sind mir kaum Unterschiede zwischen Schweden und der Schweiz aufgefallen. Auf der Vorstufe – wo ich arbeitete – arbeiten beide Länder ähnlich professionell. Persönlich nehme ich die lockere und entspannte Art mit. Die Menschen in Schweden wirken weniger verbissen und leben mehr im Moment.
Wie geht es bei Ihnen beruflich weiter?
Ab August arbeite ich im Kindergarten einer heilpädagogischen Schule. Später möchte ich an der höheren Fachschule Sozialpädagogik studieren.
Infobox
Austauschprogramm «Away»
Das Austauschprogramm «Away» ermöglicht frisch ausgebildeten Fachpersonen Betreuung (FaBe), während zwei bis sechs Monaten Berufserfahrung in einem anderen europäischen Land zu sammeln. «Away» ist eine Initiative von Savoirsocial, dem Schweizerischen Dachverband für die Berufsbildung im Sozialbereich. Das Programm wird von Movetia unterstützt, der nationalen Agentur zur Förderung von Austausch und Mobilität im Bildungsbereich. away.savoirsocial.ch
Der «Einsteiger» ist eine Dienstleistung der Espace Media Groupe (Publikationsplattform) und des Mittelschul- und Berufsbildungsamts des Kantons Bern (redaktionelle Verantwortung). Er ist eine Informationsplattform zur Berufs- und Mittelschulbildung.
Jeden Samstag erscheint im Stellen-Markt der Tageszeitungen Berner Zeitung BZ, Der Bund, Berner Oberländer, Thuner Tagblatt, Bieler Tagblatt und Langenthaler Tagblatt ein Artikel zu einem aktuellen Thema.
Unterstützt wird der «Einsteiger» durch folgende Partner:
Hinweis
Lob, Kritik, Anregungen
Bitte nutzen Sie die Möglichkeit per E-Mail uns Lob, Kritik oder Anregungen zum Einsteiger zu schicken.